Das Gwand der Frauen

 

In München spricht man nicht von Tracht, sondern vom Gwand.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war das "Münchner Bürgergwand" am schönsten entwickelt und ausgeprägt. Ab etwa 1850 vermischte sich dann Traditionelles mit Modischem. Wir jedoch versuchen, an die Blütezeit des "Biedermeier" anzuknüpfen. Es sind zwar bestimmte Regeln einzuhalten, doch kann jede Frau nach ihrem Geschmack Farbe, Stoffart und Ärmelform individuell wählen.

Der Rock wird knapp knöchellang getragen und ist in zahlreiche Falten eingelegt.

Die Schürze soll 2 - 3 cm kürzer als der Rock sein.

Die Bluse wird in dezenten Farben (im Biedermeiermuster oder auch in uni) aus Seide, Baumwolle oder feiner Wolle gearbeitet. Verschiedene Ärmelformen sind möglich: Schiebeärmel, langer Puffärmel mit breiter Manschette oder der Münchner Bürgerärmel. Hier kommt die ganze Vielfalt der biedermeierlichen Mode voll zur Geltung.

Das Schultertuch ist vornehmlich aus Seide, quadratisch 70 bis 85 cm, mit Zupffransen. Es soll mit Bluse und Schürze farblich harmonieren.

Das Muster des steifen Mieders ist durch Peddigrohr (früher verwendete man Fischbein) plastisch hervorgehoben. Das festliche Mieder kann zusätzlich mit Stickerei versehen werden. Mehrere Stofflagen und "Mehlpapp" ergeben die Steifheit.

Das Gschnür besteht aus der Erbskette und dem Miedersteften. Ursprünglich hat man mit diesem Steften die Kette durch die Ösen am Mieder geführt. Als dann die silbernen Miederhaken aufkamen, in die die Kette einfach einzuhängen war, ist der Steften überflüssig geworden. Man trennte sich jedoch keineswegs von ihm sondern gestaltete ihn vielmehr zu einem völlig neuen und wunderschönen Schmuckstück um.

Die Kropfkette ist mehrgängig und hat eine vergoldete Silberschließe in Filigranarbeit, die mit Perlen und Glassteinen besetzt ist.

Die Riegelhaube wird auf dem hochgesteckten Haar am Hinterkopf getragen. Sie ist mit wertvoller Gold- oder Silberstickerei aus Kantille, Pailletten und Folien bestickt. Bei den schwarzen und blau-schwarzen Hauben werden Perlen verarbeitet. Die Riegelhaube hat ihren Ursprung in München und entwickelte sich aus der vormals viel größeren Rokokohaube, die den ganzen Kopf bedeckte. Im Volksmund wurde sie auch Geißeuterl genannt, in Anlehnung an die eigentümliche Form. Keine Riegelhaube gleicht der anderen. Die Muster werden von alters her übernommen. Im ausgehenden Biedermeier wurde sie sogar zu modischer Kleidung getragen.

August Lewald schrieb 1835: "Die so sehr beliebte Riegelhaube, die besonders den jungen Münchnerinnen gar zierlich zu Gesicht steht, ist ein ganz eigentümlicher Kopfputz, der mit keinem anderen in Deutschland einige Ähnlichkeit zeigt."