Startseite Berichte Biedermeierfest in Heiden (CH, Kanton Appenzell) vom 5.9.2014 bis 8.9.2014
Biedermeierfest in Heiden (CH, Kanton Appenzell) vom 5.9.2014 bis 8.9.2014

Am 7. September 1838 brannte das Dorf Heiden in der Schweiz (Kanton Appenzell) bis auf ein Haus komplett nieder. Die wiederaufgebauten Häuser wurden im damaligen Stil (Biedermeier) errichtet. In Gedenken an diesen verheerenden Brand und um den Tourismus etwas zu beleben, findet alle 4 Jahre ein Biedermeierfest in Heiden statt. Wie auch schon 2010, nahmen einige unserer Mitglieder daran teil.

Am Freitag, 05.09.2014, fuhren wir alle individuell nach Heiden und bezogen unsere Zimmer im Genossenschaftshotel Linde.

  

 

 

Am Abend fand ein Ball im Kursaal für die bereits anwesenden Gruppen statt. Von uns nahmen 12 Personen daran teil. Nach der Begrüßung durch den Präsidenten Alexander Rohner tanzten die Gastgeber, der Verein Biedermeier-Fest-Heiden, zusammen mit dem Tanzclub Blau-Silber Ladenburg e.V. eine Francaise. Das Stradis-Orchester sorgte für die entsprechende Musik. Neben einer konzertanten Einlage des Orchesters, gab es einen Auftritt von jungen Ballettdamen in langen weißen Tutus wie es in der Biedermeierzeit üblich war. Wir genossen den Abend sehr und tanzten viel zu den wunderbaren Melodien.

 

 

 

 

Am Samstag ging es am Vormittag zu einer der letzten Handmaschinenstickerinnen in der Schweiz, Frau Lina Bischofberger. Frau Bischofberger erklärte uns ihre Maschine mit der sie 104 Taschentücher gleichzeitig besticken kann. Ebenso führte sie uns die Einfädelmaschine vor. Denn bei Farbwechsel müssen die 104 Nadeln wieder neu eingefädelt werden. Früher wurde diese Arbeit von Kindern verrichtet. Es war beeindruckend die lebensfrohe, zufriedene 90 jährige Dame zu erleben. Nach fast 2 Stunden in ihrem Sticklokal ging es wieder zurück nach Heiden. Die meisten von uns nutzten den Nachmittag um über den Handwerkermarkt zu bummeln und das ein oder andere Stück zu kaufen. 

 

 

 

 

Mancher besuchte auch das örtliche Museum in dem in diesem Jahr eine Sonderausstellung über die Schulzeit damals und heute zu sehen war. Nach dem Abendessen begaben sich 6 Personen von uns ins Nachbarhaus zur „humoristischen Schubertiade“. Ein Hauskonzert für ca. 40 Personen mit dem Bariton Ruben Drole und der Pianistin Andrea Wiesli. Herr Drole sang Lieder von Schubert und dessen Zeitgenossen und las Texte aus der Biedermeierzeit. Es war ein kurzweiliger Abend, denn Ruben Drole hat nicht nur eine phantastische Stimme er besitzt auch viel komödiantisches Talent.

 

Den Sonntag begannen einige von uns mit dem ökumenischen Gottesdienst. Er war für mich als Katholikin eine wunderbare Erfahrung. Der evangelische Pfarrer stand im Biedermeierfrack am Altar, sein katholischer Kollege im grauen modernen Straßenanzug. Der Gottesdienst war ein Brückenschlag zwischen Gestern und Heute. Als Predigt wurden Teile der Brandpredigt aus dem Jahr 1838 gelesen. Es war interessant festzustellen, dass viele der Passagen auch heute noch Gültigkeit haben. Musikalisch gestaltete den Gottesdienst der Trachtenchor und die örtliche Organistin, welche mit beschwingten Walzermelodien den Gottesdienst abschloss.

Um 13.45 Uhr läuteten für eine Viertelstunde die Kirchenglocken in Gedenken an den Brand um 1838.

 

 

 

  

Danach startete der Festumzug in, für uns Münchner, gemäßigtem Tempo. Ein besonderer Hingucker waren die beiden jungen Herren in Frack und Zylinder, welche mit Schubkarre, Schaufel und Besen die Pferdeäpfel der vor uns laufenden Reitermusik auflasen. Nach einer dreiviertel Stunde und leichtem bergauf laufen kamen wir auf dem Dorfplatz an und ließen das Fest bei Kaffee, Kuchen oder Eis ausklingen. 

 

Am Montag ging es dann leider für uns alle wieder nach Hause. Vorher wurde aber der örtliche Migros geplündert, denn schließlich darf Schweizer Schoggi als Mitbringsel nicht fehlen. Es war ein wunderschönes Fest und wir freuen uns schon auf 2018 wenn in Heiden wieder die Zeit des Biedermeier lebendig wird.

RK